Ode an die Therapie

Ich war unsicher und habe mich irgendwie geschämt, ob ich zur Therapie gehen sollte. Weil, was passiert ist, passiert so oft, mit so vielen Menschen. Und wenn man daran denkt: Andere haben viel krassere, herzzerreißendere Sachen erlebt. Vielleicht brauchen sie dringender einen Therapieplatz. Vielleicht komme ich mit der Zeit alleine auch zurecht.

 

So habe ich angefangen, über eine Therapie nachzudenken, obwohl ich vor mehreren Jahren bereits eine Therapie gemacht habe. Aber damals fühlte ich mich so richtig ausgebrannt und irgendwie leer, farbenlos. Vielleicht grautonig.

Also damals konnte ich es mir „logischer“ erklären, warum ich eine Therapie brauchte.

Und jetzt? 

Ich hatte eine etwas zu aufwühlende Trennung hinter mir. Eine Ehe ist zu Ende gegangen und gleichzeitig kamen ziemlich viele, bisher unbekannte und unverarbeitete Themen an die Oberfläche. Und ich dachte mir, dass so etwas so oft passiert und alle mit diesen chaotischen, schmerzlichen Zeiten irgendwie zurechtkommen. Aber ich merkte auch, dass, obwohl fast ein Jahr vorbei war, und ich langsam bodenständiger und ausgeglichener mein neues Leben angefangen habe aufzubauen, habe ich mich selbst extrem unter Druck gesetzt. So sehr, dass ich, wenn ich nicht gearbeitet habe (Vollzeit), meine Zeit unbedingt nützlich verwenden wollte, meine Selbständigkeit aufbauen wollte und ständig ein schlechtes Gewissen hatte, wenn ich an meinen freien Tagen nicht etwas für meine Zukunft tat. Ich hatte ständig das Gefühl, dass ich mich nicht weiterentwickeln werde, wenn ich nicht an meinen Zielen arbeite und werde irgendwie in einen Stillstand kommen. Und das machte mir Angst.

Nebenbei hatte ich auch richtig starke Schamgefühle, wie ich mich nach meiner Trennung verhalten habe. Ich konnte es mir auch nicht erklären, was da mit mir los war. Es war eine Zeit, das man am besten so beschreiben könnte, dass mein Verstand sich in den Urlaub verabschiedet hat (was ich ihm ehrlich gesagt nicht übelnehmen kann) und ich dann so „losgelöst“, gehirnlos freigelassen wurde. Na ja, es war halt weniger lustig. Ich glaube, damals, wenn ich mich von außen gesehen hätte, hätte ich bestimmt gedacht: „Hmmm, okay, she has really lost it“. 

 

Aber zurück zu dem Zeitpunkt, als ich mich doch entschied, mich für einen Therapieplatz anzumelden. Es war, nachdem ich mich an der Arbeit schwindelig fühlte (was ich sonst nie habe) und am nächsten Tag vor Erschöpfung nur lange weinen konnte. Da ist es mir dann richtig klar geworden, dass es da noch einige Dinge gibt, die ich mit Unterstützung verarbeiten sollte. Und dass ich mich mit meinem eigenen Druck und „Business“ von anderen wichtigeren Themen „schütze“, um mich mit denen nicht auseinandersetzen zu müssen. Die hätte ich ehrlich gesagt, auch nicht alleine machen können.

Dann habe ich meine Hausärztin gesagt, dass ich eine Therapie machen möchte. Und ich bin so froh, dass meine Ärztin in dem Moment so unterstützend war und mir ein paar Adressen gegeben hat. Die waren für mich wie kleine Start-Ideen und ich konnte mit denen die ersten Schritte machen. 

Natürlich ging es nicht so plötzlich einen Therapieplatz zu bekommen. Ich musste viele weitere Recherchen machen, wo ich mich für eine Warteliste anmelden könnte (öfter waren Wartelisten auch nicht mehr möglich). Wenn ich mich nicht irre, waren es ungefähr 6 Monaten, bis ich mit der ersten Therapiestunde anfangen konnte. 

Meine Therapeutin, Frau P. war die ganze Zeit sehr, sehr aufmerksam und ich fühlte mich während der Therapiezeit so gut aufgehoben und unterstützt. 

Es gab richtig viel Weinen, auch Zittern und viele Gespräche, die ziemlich tief gingen. Ich fühlte mich aber immer in Sicherheit und es war niemals zu tief in ein Thema hineingegangen, wenn das für mich too much gewesen wäre. Alles wurde Schritt für Schritt angeschaut.

Na gut, die ersten 3 Sitzungen, waren schon ziemlich intensiv. Wie ich aber Nachhinein von Frau P. erfuhr, ist es normal, weil dies der Weg ist, eine Diagnose aufzustellen. 

Ich bekam dann auch eine Diagnose (nach den ersten drei Sitzungen), das mir ehrlicherweise am Anfang gar nicht gefallen hat und ich auch etwas daran gezweifelt habe, ob die wirklich passt. Ja und die Diagnose machte mir auch Angst. 

Aber nachdem ich nachgelesen und mich mit dem Thema etwas beschäftigt habe, wurde mir ziemlich vieles klarer, warum ich mich während meiner Trennungszeit so komisch verhielt. Damals habe ich mein Nervensystem extrem auf die Probe gestellt, weil ich selbst nicht gemerkt habe, dass das alles viel zu viel war. Also kein Wunder, dass die eigene (mentale oder körperliche) Gesundheit ihre Grenzen sehr klar zeigt.

Und Stück für Stück sah ich auch, dass ich so richtig nötig habe, an meinen eigenen Grenzen zu arbeiten sowie daran, wie ich mich regelmäßig erhole und entspanne, ohne mich zu erschöpfen, mich selbst unter viel zu viel Druck zu setzen. Also irgendwie vieles hängt miteinander zusammen. Es tut aber extrem gut, die Zusammenhänge zu sehen, zu verstehen und somit ähnliche Fälle vorzubeugen. 

 

Ohne in meine Therapie einzusteigen (dafür ist dieser Beitrag nicht gedacht), bin ich unglaublich froh und Frau P. und mir selbst dankbar, dass ich mich für eine Therapie entschieden habe. 

Ehrlich gesagt, finde ich es so interessant, wie ich mich selbst entwickelt habe. Bei meiner allerersten Therapie (wenn ich daran zurückdenke) war ich irgendwie wie ein Kind, obwohl ich da auch schon längst über 20 war. Aber damals konnte ich mich selbst nicht so reflektiert wahrnehmen, sondern eher etwas oberflächlich (nicht negativ gemeint). Vielleicht eine bessere Beschreibung wäre, ich hatte damals einige tote Winkel, die ich bei mir selbst einfach nicht sehen konnte. Was auch ziemlich krass (aber sehr normal bei uns allen ist), wenn mich jemand doch an diesen Themen angesprochen hätte, hätte ich diese Winkel auch nicht sehen können und hätte die andere Person eher schräg angeschaut und gesagt: „Das stimmt doch gar nicht.“ :`D

 

In der Therapie mit Frau P. konnte ich vieles verstehen und konnte die Zusammenhänge in mir, in meinem Leben endlich klarer sehen und spüren. Ich glaube, Lebenserfahrungen machen doch schon was mit uns. :)

(Was auch klar ist, dass ich noch bestimmt weitere Winkeln habe, die ich noch nicht sehe, aber vielleicht genau dafür ist das Leben ((unter anderem)), diese zu entdecken. Ich hoffe trotzdem, dass ich die dunkelsten Themen diesmal hochbringen und viel besser verarbeiten konnte. <3)

 

Obwohl meine Therapie bereits seit mehr als einem Jahr beendet ist, mag ich mein „Selbststudium“ sehr, das ich weiterhin fortsetze.  Ich glaube, ich würde mein „Selbst Kennenlern- & Vertiefungs-Projekt“ gern beibehalten und einfach ein Leben lang fortsetzen. Es tut einfach gut. Man fühlt sich immer mehr zu Hause mit sich selbst. Es ist ein viel entspannteres Gefühl. <3

(Auch nicht falsch verstehen, ich bin nicht ständig entspannt. Ich rege mich in manchen Situationen ziemlich auf. Und ehrlich gesagt, ich freue mich darüber so sehr, weil ich mich damals kaum aufregen konnte und alles nur ruhig, zurückhaltend, begegnet habe. Aber es tut gut, auch Wut und ähnliche Gefühle zu spüren, wenn ich was ungerecht empfinde oder wo Grenzen unbeachtet werden. Wichtig ist nur, trotzdem ausbalanciert in uns selbst zu bleiben. (Nachdem man den Kopf mit einigen „F“ Wörter überflutet hat. :`D.)) 

 

Vielleicht noch ein Abschlussgedanke für heute. (Sonst würde dieser Artikel nie zu Ende kommen, weil man in manchen Stellen noch viele Themen erweitern könnte.)

Manchmal denke ich noch auf die Vergangenheit zurückblickend, dass es so viel einfacher gewesen wäre, solche Dinge zu wissen und zu verstehen, die ich jetzt verstehe. 

 

Wir können aber nicht zuerst eine psychologische Ausbildung machen (obwohl es schon ziemlich gut klingt), zuerst uns auf alle mögliche Situationen des Lebens vorbereiten und erst danach anfangen zu leben. Nein. Das alles passiert parallel. Gleichzeitig. Hand in Hand.   

 

Wir leben unser Leben. Und das bedeutet auch, dass unerwartete, ungeplante Sachen passieren können. Es ist so normal und menschlich, dass wir manche Geschehnisse unvorbereitet ins Auge sehen müssen und dass wir Fehlern machen.

Es gibt Tausend und mehr Sachen, die uns begegnen können. Wir können nicht für jede Situation ein gelesenes oder gelerntes Tipp parat haben. Manchmal gibt uns das Leben zuerst die Herausforderungen, von denen wir lernen können, sodass wir nachher etwas weiser zurückblicken können. Öfter verwendet das Leben die „learning by doing“ Methode. Du machst zuerst die Erfahrungen und lernst von denen währenddessen oder Nachhinein (oder beides).

Irgendwann kommen wir an dem Punkt, wo wir dieses „Spiel des Lebens“ erkennen und anfangen, mit uns selbst viel sanfter und verständnisvoller zu sein, uns selbst auch zu vergeben.

 Ja, vielleicht so ein Moment ist auch ein sehr schöner Meilenstein.

 

Alles Liebe,

Anna 🌸

 

 

 

Ruhpolding November 2025 (eigenes Bild)
Ruhpolding November 2025 (eigenes Bild)

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Kommentare: 2
  • #1

    Anya (Sonntag, 30 November 2025 14:52)

    Ebből az írásból a tisztánlátás és a belső béke árad felém. Köszönöm drága Ancsmüncs ♥️
    Szeretünk és ölelünk ��

  • #2

    Anna Viola (Sonntag, 30 November 2025 15:40)

    Köszi Anya! �❤️